Die Entwicklung des Schulwesens

Über den ersten geregelten Schulunterricht in hiesiger Gemeinde sind keine sonderlichen Aufzeichnungen erhalten geblieben. Es ließ sich nur feststellen, dass der erste evangelische Prediger, Lewin Redecher, der Begründer der Schule gewesen ist. Nach der betreffenden Konsistorialnachricht waren während der Gründung 13 Schulkinder vorhanden. Aus ver­schiedenen späteren Verordnungen, so namentlich aus der "Ordnung für die Schulen auf dem Lande in dem Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel und Fürstentum aus dem Jahre 1753" geht dann aber zur Genüge hervor, dass die Schulverhältnisse jener Zeit äußerst viel zu wünschen übrig ließen. Der hauptsächlichste Grund lag in dem gänzlichen Mangel an geeigneten Lehrkräften. Es ist daher wohl verständlich, warum zu jenen Zeiten die verschiedensten Handwerker, sobald sie die fünf Hauptstücke und einige Bibelabschnitte aufsagen konnten und etwas im Lesen und Schreiben bewandert waren, als Lehrer angestellt wurden. in Kalme wirkte z. B. ein solcher, der in seinen Freistunden das Zimmerhandwerk betrieb.

Die äußerst mangelhafte Vorbildung der Lehrer hatte natürlich auch ein entsprechendes Resultat der Schulerziehung aufzuweisen. In der damaligen Schulordnung wird darauf hingewiesen, dass die Eltern nicht nur für den Leib ihrer Kinder, sondern auch für ihre geistige Entwicklung zu sorgen hätten. Sie seien verpflichtet, wenn sie selbst nicht im Stande wären, sie darin zu unterrichten, sie durch andere unterrichten zu lassen. Nur wenige hielten sich an die Schulordnung. Die Bauern meinten, dass ihre Kinder schon genügend davon lernen würden, was sie in ihrem Berufe brauchten. Während der Sommermonate seien ihnen die Kinder für die Arbeit auf dem Felde unentbehrlich. Arme, kinderreiche Familien waren gezwungen, die älteren Kinder aus der Schule zu nehmen, um sie zu vermieten, weil sie ihnen kein Brot schaffen konnten.

Der Schulzwang wurde erst in der Zeit von 1647—1651 eingeführt, stand aber meist nur auf dem Papier.

Das Schulinventar entsprach dem jämmerlichen Zustand, in welchem sich das Schulwesen befand. Es bestand aus einem Hakenbört, einem kleinen Tisch, woran die Kinder saßen, und fünf Bänken.

Die Schule seit Mitte des 19. Jahrhunderts

"Alte Schule" (bis 1899)

Die im Jahre 1845 gebaute Schule in der Nähe der Kirche und das 1888 ausgebaute gemeindeeigene Haus an der Steinkuhle reichten für die steigende Zahl der Schulkinder nicht mehr aus. 

Es wurde festgestellt, dass gegenwärtig (1898) 208 schulpflichtige Kinder in der Gemeinde vorhanden sind. Diese werden unterrichtet in 2 Klassenzimmern in 4 Abteilungen. Es sind 2 Schulgebäude vorhanden mit je einer Lehrerwohnung. Das ältere Schulgebäude liegt in der Nähe der Kirche. Der bauliche Zustand desselben ist derartig, dass die Benutzung auf längere Zeit nicht angängig erscheint. 

 

Es ist projektiert, das ältere Schulgebäude außer Benutzung zu setzen und dafür ein Schulgebäude mit 2 Klassen und einer Lehrerwohnung aufzuführen. Schulvorstand und Gemeinderat erkennen die Notwendigkeit des Naubaues an. 

Als Bauplatz kommt das an der Nordseite des Dorfes belegene Grundstück des Kothsassen Heinrich Niens in Frage. Der Gemeinderat beschloss einstimmig, mindestens eine 80-Quadratruten große Fläche als Bauplatz zu kaufen.

 

1899 nahm man den Bau eines einheitlichen Schulgebäudes in Angriff. Das neue Haus, ein Klinkerbau, umfasste 3 Klassen-, 1 Konferenzzimmer und 3 vollständige Lehrerwohnungen. Besonders bemerkenswert ist, dass gerade der Bauer dafür eintrat, der Jugend etwas Gutes zu schaffen. 

Am 28. 2. 1900 erfolgte die Einweihung. 

Gleichzeitig wird die 3. Lehrerstelle, die im Laufe der nächsten Jahre noch manchen Disput im Gemeinderat hervorrufen wird, eingerichtet. An der neuen Schule waren damals 3 Lehrer tätig, Kantor Curdt als Schulleiter, Kantor Knoop als Lehrer und Hilfslehrer Papendorf. Die Festanstellung des 3. Lehrers ist aber nicht durchgeführt worden, weil der Gemeinderat befürchtete, 3 Lehrer mit dem Höchstgehalt besolden zu müssen.

 

Um 1903 ist das Niveau der Schule so tief, dass der Gemeinderat bemängelt, dass die unteren Klassen an Überfüllung litten, während in den oberen Klassen große Leere herrschte. Die Zahl derer, die aus einer unte­ren Klasse konfirmiert werden, würde von Jahr zu Jahr großer. Die letzten 4 Jahrgänge sollten zu regelmäßigem Kirchenbesuch angehalten werden. Sie hätten an der Kinderlehre teilzunehmen.

1904 wird der Westgiebel der Schule mit Blechtafeln beschlagen, da die Mauer nur ½steinig gebaut ist.

Die Schule nach 1945

1945. Der unglückselige Krieg war zu Ende gegangen. Das Land jenseits der Oder-Neiße-Linie war den Polen zur Verwaltung übergeben worden. Ihre erste Aufgabe war es, alles Deutsche aus diesem Gebiet zu entfernen. Alle Deutschen, die nicht für Polen optieren wollten, wurden ausgewiesen. Der übrige Teil Deutschlands wurde in 2 Teile gespalten. In Mitteldeutschland übernahmen die Russen die Verwaltung. Der „Eiserne Vorhang“ schloss Mitteldeutschland vom Westen, den die Amerikaner, Engländer und Franzosen verwalteten, hermetisch ab. Börßum lag im Zonengrenzgebiet. Flüchtlinge, auf der Flucht vor den Russen, Soldaten, die sich der Gefangennahme oder Kapitulation entziehen konnten, fremdländische Arbeiter und viel lichtscheues Gesindel streiften den Ort und versuchten für ein oder mehrere Nächte unterzuschlüpfen, um dann weiterzuziehen.

An einen geregelten Schulbetrieb war vorerst nicht zu denken. Entnazifizierungskommissionen wurden bestellt, um „Seelenkontrollen“ unter den Einwohnern zu halten. Der größte Teil der ehemaligen Lehrer hatte natürlich der Partei oder einer ihrer Gliederungen angehört. Sie wurden als untragbar entlassen. Als Landarbeiter versuchten diese, wenn sie nicht inhaftiert worden waren, ihren Lebensunterhalt mühsam zu verdienen. Der Schule aber fehlten die Lehrer. Die wenigen „entbräunten“, h. durch die Entnazifizierungskommission gebilligten Lehrer versuchten, den Schulbetrieb wieder in Gang zu bringen. Als unrühmlich muss hier erwähnt werden, dass ein Teil „belasteter“ Lehrer sich beeilte, der SPD beizutreten, wodurch die Entbräunung bzw. Wiedereinstellung schneller vonstatten ging. Diese Lehrer wurden in den Schuldienst übernommen. Die Flüchtlingslehrer aber versuchten sich recht und schlecht durchs Leben zu schlagen. Erst zum Teil nach Jahren wurden diese wieder als Lehrer auf Widerruf angestellt. Man hatte das Gefühl, als wenn die Anstellung der Flüchtlingslehrer den oberen Schulbehörden manches Kopfzerbrechen bereitet hätte.

Lehrer Mönkemeier wurde die Schulleitung übertragen. Gleichzeitig wurde er von den Besatzungsmächten zum Bürgermeister bestellt. Ein Klassenraum der Schule wurde als Gemeindebüro eingerichtet und so der Benutzung durch die Schule entzogen. Erst 1949 konnte durch tatkräftiges Bemühen der Flüchtlingsvertreter im Gemeinderat dieser Tatbestand beseitigt werden.

Nach dem Kriege wuchs die Zahl der Schulkinder durch den Zustrom der Heimatvertriebenen stark an. Für 380 Schulkinder waren 5 Klassenräume vorhanden. 11 Klassen waren unterrichtlich zu betreuen. Der Nachmittagsunterricht war nicht zu umgehen. Um dem Raummangel abzuhelfen, dachte man an den Ausbau einer Klasse. So hätten dann Hauswirtschafts- und Werkunterricht leichter eingeführt werden können.

Am 1. 5. 1947 wird Lehrer Fritz Stephan der erste kath. Lehrer an der hiesigen Schule.

1949 wird Herr Arthur Merseburger Rektor der Börßumer Schule. Herr Merseburger hatte sich als „Belasteter“ — wie er selbst erzählte — als Räudeknecht beim Begasen der räudekranken Pferde betätigt, bis seine Neueinstellung erfolgte.

Durch seine nimmermüde Arbeitskraft und Begeisterungsfähigkeit erreichte die Börßumer Schule in kurzer Zeit einen Höhepunkt. Sie wird kultureller Mittelpunkt der Gemeinde.

Zu dieser Zeit sind folgende Lehrer an der Schule tätig:

Lehrer Lünstedt, Lehrer Riekmann, der wenig später nach Kalme versetzt wurde, die Flüchtlingslehrer Stephan, Aßmann und Hag. Frau Hoffmann und Frau Ruttkowski. Handarbeitslehrerin ist Fräulein Liebl.

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